Harz fotografieren: Motive, Licht und Ideen aus meinen Bildbänden
Tom PrzibillaTeilen
Wer im Harz fotografieren möchte, findet Felsen, Wasser, weite Bergblicke und Fachwerkstädte dicht beieinander. Gute Bilder entstehen dabei nicht allein am bekannten Aussichtspunkt. Licht, Bildaufbau und die Entscheidung für einen bestimmten Moment verändern, was ein Ort erzählt.
Die Bildbände HARZ I und HARZ II von Tom Przibilla zeigen viele solcher Perspektiven. Dieser Artikel verbindet Motive aus den Büchern mit fotografischen Anregungen für deine eigene Tour. Die Tipps sind Ausgangspunkte zum Ausprobieren; konkrete Kameraeinstellungen hängen immer vom Licht und der gewünschten Bildwirkung ab.
Teufelsmauer: Felsen und Umgebung zusammen denken

Die Felsen der Teufelsmauer sind ein starkes Hauptmotiv. Umso wichtiger ist die Frage, was sie im Bild umgibt. Eine Wiese kann Tiefe schaffen, ein großzügiger Himmel Ruhe geben, ein enger Ausschnitt dagegen die Struktur des Gesteins betonen. Entscheide vor der Aufnahme, welche dieser Eigenschaften du zeigen möchtest.
Zum Ausprobieren: Fotografiere vom selben sicheren Standort eine weite Ansicht und einen engeren Ausschnitt. Vergleiche anschließend, ob der Felsen in beiden Bildern klar erkennbar bleibt und ob störende Elemente an den Bildrändern liegen. Dafür brauchst du nicht zwingend ein anderes Objektiv; schon eine andere Brennweite kann die Gewichtung verändern.
Oderteich: mit Linien und Spiegelungen arbeiten

Im ersten HARZ-Band führt ein Holzbohlenweg am bewaldeten Ufer des Oderteichs entlang. Solche Linien geben einem Foto Richtung. Sie funktionieren besonders gut, wenn sie nicht nur am Bildrand auftauchen, sondern den Blick zu einem erkennbaren Ziel führen. Prüfe dabei auch, wie hell Himmel, Wasser und Vordergrund zueinander sind.
Für eine ruhige Wasserwirkung kannst du mit längeren Belichtungszeiten experimentieren. Ein Stativ hilft, die Kamera stabil zu halten. Bewegtes Laub oder Menschen auf dem Weg werden dann allerdings ebenfalls verwischt. Eine kurze Belichtungszeit erzählt denselben Ort anders – mit mehr sichtbarer Bewegung und Struktur.
Bodetal: nach dem Sonnenuntergang weitersehen
In HARZ II beschreibt Tom einen Abend an der Rosstrappe: Nach dem warmen Sonnenuntergang blieb er vor Ort und erlebte später das Bodetal im Mondlicht. Im Buch stehen dazu sehr unterschiedliche Aufnahmeangaben: Eine Sonnenuntergangsaufnahme mit 1/200 Sekunde, Blende 7,1 und ISO 100 steht einer Nachtaufnahme mit 6 Sekunden, Blende 1,8 und ISO 1600 gegenüber – beide mit 20 mm Brennweite.
Das ist kein Rezept, das sich an jedem Abend wiederholen lässt. Es zeigt vielmehr, wie stark sich die Anforderungen mit dem Licht ändern. Wenn du länger bleibst, kontrolliere Belichtung und Schärfe neu. Plane den Rückweg bereits bei Tageslicht, nimm eine Lampe mit und bleibe an einem sicheren, zugänglichen Standort.
Wernigerode und Stolberg: Fachwerk zur blauen Stunde
Bei Stadtmotiven treffen am Abend oft kühler Himmel und warmes Kunstlicht aufeinander. In den Büchern zeigen Wernigerode und Stolberg, wie viel Atmosphäre dabei entstehen kann. Achte auf gerade Linien, einen klaren Hauptbereich und helle Fenster oder Laternen, die nicht das ganze Bild überstrahlen.
Zum Ausprobieren: Beobachte eine Szene schon vor dem gewünschten Moment. Suche einen ruhigen Bildaufbau und fotografiere anschließend mehrmals, während der Himmel dunkler wird. Häufig verändert sich das Verhältnis zwischen Himmel und Beleuchtung stärker als der Ort selbst.
EXIF-Daten verstehen statt Einstellungen kopieren
Unter den Fotografien beider HARZ-Bildbände findest du Aufnahmeangaben. Brennweite, Blende, Belichtungszeit und ISO helfen, die Entstehung eines Bildes nachzuvollziehen. Sie beantworten aber nicht allein, warum es wirkt: Standort, Wetter, Bildausschnitt und der gewählte Moment bleiben ebenso wichtig.
Nutze die Daten deshalb als Fragen an das Bild: Warum wurde hier länger belichtet? Was bewirkt die Brennweite? Welche Bereiche erscheinen scharf? Vergleiche danach deine eigenen Versuche. So wird das Blättern zur Anregung für bewussteres Fotografieren, auch wenn du mit einer anderen Kamera arbeitest.
Deine Fototour im Harz vorbereiten
Wähle lieber wenige Motive mit genügend Zeit als eine lange Liste von Stopps. Prüfe Wetter, Tageslicht, Rückweg und aktuelle Sperrungen. Im Nationalpark Harz gilt ein Wegegebot; nutze die ausgeschilderten Wege. Die Hinweise des Nationalparks helfen bei der Vorbereitung. Nicht jeder im Buch gezeigte Blick ist jederzeit erreichbar.
Zwei Bildbände als Inspiration für eigene Bilder
HARZ I umfasst 200 Seiten, HARZ II 208 Seiten. Beide verbinden Landschaften und Orte mit begleitenden Texten und fotografischen Einblicken. Sie sind Bücher zum Genießen und Verschenken – und können helfen, neue Ziele für die nächste Reise zu finden.
Weiterlesen: Teufelsmauer, Oderteich und Wernigerode in HARZ I · Bodetal, Stolberg und Questenberg in HARZ II.